Der Krieg in der Ukraine und der Transport. Wo kann man nach Lösungen suchen?

- Author: Anna Palluch

Der Krieg in der Ukraine und der Transport. Wo kann man nach Lösungen suchen

Seit Monaten stehen Transportunternehmen vor vielen Herausforderungen: Mobilitätspaket, Brexit, Fahrermangel sowie mit wirtschaftliche Auswirkungen und Einschränkungen im Zusammenhang mit COVID-19. Jetzt ist eine weitere hinzugekommen – Krieg in der Ukraine und damit die Erhöhung der Kraftstoffpreise, ein Rückgang der Nachfrage und die Isolierung der östlichen Märkte. Die aktuelle Lage auf dem Transportmarkt ist schwierig, aber es gibt Lösungen, die diese Situation verbessern können. Auch die Tatsache, dass die Branche sehr flexibel ist, stimmt optimistisch und lässt hoffen, dass sie sich schnell an die neue Realität anpassen wird.

Steigende Kraftstoffpreise

Der Krieg in der Ukraine bedeutet weitere Unterbrechungen in der Lieferkette und einen starken Anstieg der Preise für Energieressourcen, einschließlich Treibstoff. Die Veränderungen sind so dynamisch, dass viele Frachtführer – wie aus den Einträgen in den sozialen Medien hervorgeht – die Rentabilität ihrer Aktivitäten in Frage stellen. Wie geht man mit dieser Situation um?

Unternehmer, die auf Grundlage von Dauer- und Langzeitaufträgen auf dem Markt tätig sind, sollten eine Prüfung ihrer Aktivitäten durchführen und sich formal gegen unvorhergesehene Situationen absichern. Eine Lösung ist die Anwendung einer Kraftstoffklausel. Wie Maciej Maroszyk von TC Kanzlei sagt:

 

  • Maciej Maroszyk
  • Maciej Maroszyk
  • Geschäftsführer der Kanlei TransCash
  • Eine Kraftstoffklausel ist eine vertragliche Absicherung, die ein Transportunternehmen vor plötzlichen Erhöhungen der Kosten aufgrund der steigenden Kraftstoffpreisen schützt. Wenn der Preis steigt, ändert sich automatisch die Preisliste für Transportdienstleistungen. Mit der richtigen Formel lassen sich die Preise sogar wöchentlich aktualisieren.

Die Bedingungen der Zusammenarbeit innerhalb des so genannten Spots ändern sich etwas langsamer. Frachtführer, die sich für einen Einzelauftrag entscheiden, akzeptieren die Tarife der Spediteure. Allerdings ist zu bedenken, dass die Transportnachfrage immer noch das Fahrerangebot übersteigt. Daran wird auch eine Reduzierung der Nachfrage im Rahmen der Inflationsbekämpfung nichts ändern. Es hängt also viel von der Solidarität der Frachtführer selbst ab, wenn es darum geht, Frachten auszuhandeln und sie zum richtigen Preis anzunehmen.

Wie hält man finanzielle Liquidität?

In der aktuellen Situation ist es zudem äußerst wichtig, die finanzielle Liquidität aufrechtzuerhalten. Diese wird seit langem durch Probleme mit ausstehenden Zahlungen beeinträchtigt. Dafür gibt es viele Gründe, u. a niedrige Zahlungsmoral. Jetzt kommen erhöhte Erhaltungskosten für Verladern und Spediteuren hinzu. Solange sich die Situation auf dem Markt nicht stabilisiert, ist es gut, in Krisenmomenten über das Factoring nachzudenken.

  • Maciej Maroszyk
  • Maciej Maroszyk
  • Geschäftsführer der Kanzlei TransCash
  • Factoring ist eine einfache Möglichkeit, schnelle Finanzierung für einen geringen Prozentsatz zu erhalten. Viele bieten Online-Verträge an, was den Prozess stark vereinfacht. Ein Besuch bei der Bank ist nicht erforderlich.  Das Geld kann man, unabhängig vom Aufenthaltsort, durch das Ausfüllen eines Antrags erhalten.

Falls Sie sich für diese Dienstleistung entscheiden, lohnt es sich, ein Factoring-Unternehmen zu wählen, das sich auf die Transportbranche spezialisiert. Zusätzlich – wenn sie überfällige Rechnungen, können Sie Dienste eines Inkassounternehmens in Betracht ziehen, das sich mit der Eintreibung fälliger Forderungen beschäftigen wird.

Richtung Westen

Bislang macht der Verkehr nach Osten nur 3-5 % des internationalen Transports aus. Das ist zwar ein nidrieger Anteil, aber dahinter verbergen sich Unternehmen, die oft ihr gesamtes Geschäft auf Transporten nach Russland, Weißrussland, in die Ukraine, nach Kasachstan oder Usbekistan aufgebaut haben. Es gibt trotz der Appelle und zahlreicher Proteste von Aktivisten, nicht mehr mit Geschäftspartnern aus dem Aggressorland zusammenzuarbeiten,  immer noch etwa 2000-3000 Fahrer in Weißrussland und Russland. Für Unternehmen, die ihre Geschäftsausrichtung diversifiziert haben, sollte es kein Problem sein, ihre Geschäfte auf westeuropäische Länder zu verlegen. Zumal sich die gesamte internationale Lieferkette, einschließlich der Neuen Seidenstraße, laufend an die neue Situation anpasst und neue Transportrouten festlegt. Außerdem muss man betonen, dass in Ansicht auf den fehlenden Preiswettbewerb, die Aufmerksamkeit der Verlader wieder vermehrt auf Polen gerichtet wird, das eine der drei mächtigsten Transportkräftein Europa darstellt.

TRANS.EU-DATEN

Transportunternehmen, die bisher ausschließlich auf dem Ostmarkt tätig waren, benötigen jedoch mehr Zeit, um sich an die neue Realität anzupassen. Das Problem ist nicht nur die Suche nach neuen Auftragnehmern, die kurzfristig an der Börse gefunden werden können, sondern auch die technische Anpassung der Flotte an die Anforderungen der Europäischen Union.

Alles ist eine Wissenschaft

Die Situation, in der wir uns befinden, wird von allen Beteiligten der Branche geteilt – von Spediteuren, Frachtführern und Verladern. Die Ereignisse der letzten zwei Jahre sollten ein Signal für eine Neubewertung der Zusammenarbeit zwischen Ihnen sein – zur Änderung der gegenseitige Einstellung zu einem partnerschaftlichen Ansatz. Die sich ändernde und unvorhersehbare Realität sollte uns auch dazu veranlassen, über die Nutzung der Möglichkeiten nachzudenken, die sich gesetzlich anbieten. Die Transportunternehmen haben Instrumente, um sich zu schützen. Eines davon ist die Aufnahme einer Klausel über höhere Gewalt in die Verträge für den Fall außergewöhnlicher Hindernisse. Wie Paulina Eliasz-Pietrusewicz es ausdrückt:

  • Paulina Eliasz-Pietrusewicz
  • Paulina Eliasz-Pietrusewicz
  • Rechtsberaterin in der TransCash Kanzlei
  • Als höhere Gewalt gilt ein äußeres Ereignis, das nicht (oder fast nicht) vorhersehbar ist und dessen Folgen nicht verhindert werden können. Das bedeutet, dass wir uns auf höhere Gewalt berufen können, wenn sich plötzlich herausstellt, dass wir einen Vertrag nicht erfüllen können, weil z. B. 50 % der Fahrer des Unternehmens ukrainische Staatsbürger sind, die in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, um ihre Familie zu holen oder für ihr Land zu kämpfen. Es besteht kein Zweifel, dass Krieg ein Fall von höherer Gewalt ist, der eine Neuverhandlung der geschlossenen Verträge rechtfertigt.

Angst ist vorübergehend, nehmen wir uns Zeit

Nach Untersuchungen des Polnischen Wirtschaftsinstituts bekundet die Transportbranche deutlich ihre Zukunftssorgen. Doch auch wenn es aus heutiger Sicht wenig Anlass zu Optimismus gibt, gibt es in einer breiteren zeitlichen Perspektive Chancen zur Stabilisierung und Verbesserung der Situation.